Im alten Bundestag in Bonn diskutierten Projektmitarbeitende und Hochschulleitungen über nachhaltige Strategien zur Gewinnung professoralen Nachwuchses an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Trotz innovativer Ansätze bleibt die Finanzierung nach Projektende eine zentrale Herausforderung.
Zwei Tage lang kamen Projektmitarbeitende des Programms FH-Personal, junge Forschende und Hochschulleitungen im alten Bundestag in Bonn unter dem Motto „Professorale Nachwuchsgewinnung nachhaltig gestalten“ zusammen. Ihr Ziel: Wege finden, wie Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) besser Personal gewinnen können. Auch Sebastian Roscher und Rob Wessel vom Projekt „Science Careers“ nutzten die Gelegenheit, um neue Ansätze kennenzulernen und ihre eigenen zu hinterfragen.
Im Fokus stand die Frage, wie HAWs Karrierewege transparenter, fairer und attraktiver gestalten können. Dr. Susanne In der Smitten (DZHW) präsentierte konkrete Ansätze: digitale Berufungsverfahren, eine klarere Außendarstellung und strukturierte Einarbeitungsprogramme für neue Professorinnen und Professoren. Doch eine zentrale Hürde bleibe: Nach Projektende fehle oft das Geld, um solche Maßnahmen dauerhaft umzusetzen. Der Wunsch nach nachhaltigen Lösungen und insbesondere nach einer Anschlussfinanzierung – vor allem bei den Projekten aus der ersten Förderrunde, die 2026 endet – war bei vielen Beteiligten spürbar.
Ein weiteres Thema war die Entwicklung der Promotionskultur an HAWs. Prof. Dr. Christian Facchi (TH Ingolstadt) beleuchtete die Vor- und Nachteile eigener Promotionszentren, insbesondere im Hinblick auf Qualitätssicherung und Ressourcenverfügbarkeit. Dabei habe sich gezeigt, dass Bundesländer mit eigenem Promotionsrecht – aktuell sind das alle außer Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern – einen erheblichen Wettbewerbsvorteil besäßen. Er wies zudem darauf hin, dass uneinheitliche Begrifflichkeiten und Strukturen potenziellen Interessierten die Orientierung erschwerten. Prof. Facchi sprach sich dafür aus, bestehende Modelle wie die kooperative Promotion nicht durch das eigenständige Promotionsrecht zu verdrängen, sondern vielmehr weiterzuentwickeln und zu pflegen.
Prof. Dr. Christine Böckelmann (Hochschule Luzern) stellte Vorschläge zur Verbesserung von Berufungsverfahren vor. Sie empfahl, Auswahlkriterien klarer zu priorisieren, um die Verfahren zu entlasten – etwa durch eine Trennung von notwendigen und ergänzenden Qualifikationen. Außerdem sprach sie sich dafür aus, stärker auf passende Kompetenzen und Erfahrungen zu achten, statt sich allein auf akademische Titel zu konzentrieren. Vielfalt in beruflichen Biografien könne ein Gewinn sein. Besonders betonte sie die Rolle der Berufungskommission – insbesondere deren Vorsitzenden. Als zentrale Schnittstelle und erster tiefer Einblick in Werte und Kultur der Hochschule sei das Berufungsverfahren ein kritischer Kontaktpunkt. Hier entscheide sich oft, ob interessierte Personen sich weiter bewerben oder abspringen. Eine gezielte Qualifizierung der Kommissionsmitglieder – etwa in Themenfeldern wie Diversität oder Gesprächsführung – sei daher essenziell.
Was bleibt? Der Austausch zeigte: Viele HAWs stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Oft sind es kleine, stetige Veränderungen, die langfristig Wirkung entfalten. Und gute Lösungen entstehen meist im Team, nicht im Alleingang.
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